Schulleiter Frank Koopmann als Sound Lehrmeister

Der Sound-Lehrmeister

Wie Frank Koopmann sein praktisches und theoretisches Wissen als DJ an Schüler weitergibt

 

Wie viele Platten er zu Hause hat, kann er nicht genau sagen – mehr als 1000 dürften es sein. Aber auch andere Tonträger spielen im Beruf von DJ Frank Koopmann eine zentrale Rolle. Der Mann produziert Filmmusik und Werbetrailer. Und er bildet Nachwuchs-DJs aus, die bei ihm lernen können, wie man in einem Club oder bei einer Party geeignete Musik auflegt.

V O N UWE DAMMANN

Bremen. Lange, weiß getünchte Gänge, schwere Metalltüren – im Obergeschoss des ehemaligen Postamtes Fünf muss man schon ein wenig suchen, um die VibrA School of DJing zu finden. Hinter diesem Wortungetüm verbirgt sich für Fans der Musikrichtungen Electro, House, Minimal, Techno oder Hip-Hop ein eigener Schulzweig der Modern Music School – eine Schule speziell für DJs. „In Bars, Clubs, Konzerthallen und bei Open Airs begeistern DJs das Publikum und haben Fangemeinden, die denen von bekannten Rock-Acts in nichts nachstehen. DJs sind die neuen Popstars“, sagt Frank Koopmann. Sie würden längst nicht nur Platten auflegen, sondern Beats mixen, Sounds kreieren und Melodien gestalten – um die Menschen zum Tanzen zu bringen.

Koopmann muss es wissen. Er ist in Bremen wohl den meisten Discogängern ein Begriff. Seit 1990 legt der 49–Jährige erfolgreich auf – verschiedene Musikrichtungen, darunter Rock & Blues, Dance-Klassiker und House. Wer Koopmann zu einem Song der vergangenen 30 Jahre befragt, bekommt innerhalb weniger Sekunden die zutreffende Antwort. 
Koopmann hat in vielen angesagten deutschen Clubs aufgelegt – vom P 1 in München über das La Cage in Hamburg bis zum NFF Club in Bremen. 2012 wurde er für After-Show-Partys von Udo Lindenberg und David Guetta in Hamburg gebucht. Auch bei Großfestivals wie Lovefield, Electro Surfing und Summerwave war der Bremer als DJ gefragt. Kein Wunder, dass er seine Erfahrung weitergibt, indem er als DJLehrer arbeitet.

Neuer Ausbildungsbereich

Diesen Ausbildungsbereich gibt es erst seit wenigen Jahren. Bis zur Gründung der VibrA School of DJing im Jahr 2002 mussten sich die DJs ihr Können selbst aneignen – durch Üben im eigenen Heim, unzählige Besuche von Veranstaltungen, Tipps von Freunden – und mit Videos. Doch die Schule entwickelte einen Lehrplan, der es Schülern ermöglichen soll, als DJ in Clubs zu bestehen. Die Lerninhalte der VibrA School of DJing, die Koopmann in Bremen als Franchise-Unternehmen gemeinsam mit Stefan Zeise betreibt, sind wie ein Baukastensystem aufgebaut. Aus den einzelnen Modulen können die Schüler gemeinsam mit dem DJ-Trainer auswählen, was im Unterricht behandelt werden soll. Wichtig sind nicht zuletzt die technischen Fertigkeiten. Denn wer ein erfolgreicher DJ werden will, der sollte unbedingt auch wissen, wie Mischpult und Plattenteller verkabelt werden müssen. Aber daneben geht es natürlich vor allem um den richtigen Mix, um jene Musik, die Menschen auf die Tanzfläche lockt und dort hält.

Vorkenntnisse nicht erforderlich

Spezifische Vorkenntnisse sind für das DJBerufsbild nicht zwingend erforderlich, Koopmann hat die Beobachtung gemacht, dass Menschen, die ein Instrument erlernt haben, als DJ später deutlich im Vorteil sind gegenüber etwaigen Konkurrenten. Schließlich kommt es auf den perfekten Übergang von einem Song zum nächsten an. Da sollte man sich in der Musik auskennen – und viel Taktgefühl beweisen. Anderenfalls wird es schwierig bis ausichtslos, den Michael-Wendler-Hit „Sie liebt den DJ“ auf sich bezogen zu wissen.
Ein anderes Unterrichtsfach, das Koopmann kultiviert hat, betrifft die Öffentlichkeitsarbeit. Wie vermarktet man sich am besten?, lautet die Leitfrage. Noch wichtiger freilich ist es, am Ende der Ausbildung am Computer einen überzeugenden Mix zu produzieren.
Koopmann hat genügend eigene Erfahrungen in der Branche gesammelt. Er arbeitet weiterhin als Musikproduzent – und hat bereits mit bekannten Musikern wie Paul Johnson, Glen Goldsmith, Lee John und Kim Welch zusammengearbeitet. Auch Tracks für Langnese und Microsoft stammen aus Koopmanns Produktion. Zudem hatte er eigene Hits. Den Song „Lovin’ you“, den er unter dem Pseudonym Smurf & Perry produzierte, stieg 2004 in die Top Ten der europäischen Dancecharts ein. Der Song „Haven‘t you“ (featuring Kim Welch) erreichte immerhin die Top Ten der australischen Dancecharts.

So weit sind die Schüler der DJ-Schule naturgemäß noch nicht. Sie haben zunächst einfach nur Spaß an der Sache und hoffen auf Rüstzeug für eine Karriere als DJ. Derzeit unterrichtet Koopmann etwa 30 Schüler im Alter von 14 bis 50 Jahren. Eine Auszubildende ist die 26-jährige Marcella Korona. Sie hofft, mit all dem Gelernten und all den Insider-Tricks einmal selbst in Clubs Musik auflegen zu können. Das hat Dörte Werner bereits geschafft: Die Koopmann- Schülerin legt mittlerweile in Bremen unter den Namen „Funky Diva“ Musik auf. Man ahnt: Es geht doch nichts über eine solide Schulbildung.